Unsere 8 Schätze – Einblicke in die Küche Westchinas

Pilze

Viele von euch wissen ja, dass eine meiner größten Sorgen vor einem Leben in China das Essen war. Schließlich hatte in meiner Kindheit das Chinarestaurant gegenüber meinem Elternhaus eine gewisse Chinesisch-Essen-Phobie ausgelöst. Weiterlesen

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Die Social Media Welt in China

qq-logoyouku_logoweibo_logoRenren_logoFacebook, Twitter & Co sind im Reich der Mitte bekanntlich gesperrt. So dürfen sich chinesische Anbieter den Markt aufteilen und kopieren die westlichen Vorbilder mehr oder weniger gekonnt. Was sind also die wichtigsten chinesischen Social Networks? Und worin unterscheiden sie sich von den westlichen Originalen?

Dazu habe ich eine vierteilige Serie auf dem vi knallgrau Blog geschrieben.

Die einzelnen Beiträge könnt ihr hier lesen:

Teil 1: China: Eine andere Social Media Welt
Teil 2: RenRen und andere Facebook Klone
Teil 3: Weibo, mehr als eine Twitter Kopie
Teil 4: QQ, der eigentliche Marktführer

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Wie das Erdbeben durch die chinesischen Medien geht

TV_China_Erdbeben2Nach dem Erdbeben in China, das ich selbst im 8. Stock erleben “durfte”, war für mich unter anderem eine Frage spannend: Wie reagieren Chinesische Medien auf Desaster dieser Art? Weiterlesen

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Marketing in China: 10 Dinge die man beachten sollte

iPhone mit Microsoft Werbung

In China ist alles möglich: Microsoft Werbung im iPhone Format Bildschirm

Als ich nach China kam, war eine der für mich spannendsten Fragen: Wie läuft Marketing in China? Ist es denn überhaupt so anders?

Nach den ersten Eindrücken möchte ich nun einige Monate später ein Zwischenfazit ziehen – und konkret auf die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang eingehen: Worauf sollte man achten, wenn man Marketing in China machen möchte?

1. Mehr als Schrift
Der offensichtlichste Unterschied betrifft natürlich die Schriftzeichen. Doch geht dieser Unterschied weit über ein für Westler ungewohntes Erscheinungsbild hinaus. Chinesen haben ein grundsätzlich anderes Verständnis von Kalligraphie.

Gerade als westliches Unternehmen gilt es, den Spagat zwischen internationalem Feeling und chinesischer Welt zu schaffen. Ganz praktisch etwa: Wie sieht die gleiche Website sowohl in englischer als auch chinesischer Sprache gut aus, obwohl chinesische Schriftzeichen durch ihre Quadrat-Grundform viel höher sind? Welche chinesische Schriftart wähle ich, um ein modernes Image zu unterstreichen?

2. Kundenorientierung
Etwas, das weitreichende Auswirkungen auf die Welt des Marketings hat, ist die kaum vorhandene Kundenorientierung. Chinesen sind noch immer gewohnt, dass der (Staats-) Betrieb König ist, nicht der Kunde. Als Verkaufskraft zu einem Kunden freundlich und zuvorkommend zu sein, wozu? Dann verkauft man den Handyvertrag eben einem anderen der 1 Milliarde Chinesen!

Für internationale Unternehmen gilt es also, ihre Mitarbeiter in Sachen Kundenorientierung zu schulen – vom Webdesigner bis zur Verkaufskraft. Kein Wunder, dass etwa Apple nur schrittweise offizielle Stores in China eröffnet und lange in das Training der Mitarbeiter investiert.

3. Mehrsprachigkeit
Ich kann die Erfahrung von ORF China-Korrespondentin Cornelia Vospernik nur unterstreichen, die in ihrem Buch „China Live“ davon erzählt, wie sich die wenigsten Chinesen jemals an einen englischen Firmennamen erinnern.

Doch auch wenn die meisten chinesischen Firmen nur sinnleere englische Kunstnamen verwenden, so ist es doch essentiell für internationale Firmen, diese Internationalität mit ihrem westlichen Namen zu unterstreichen. Chinesen lieben westliche Marken und selbst wenn sie diese nicht aussprechen können, so hat doch das internationale Markenbild eine entscheidende Symbolwirkung.

Auch bei Slogans und anderen Marketingtexten gilt es abzuwägen, wann es Sinn macht das Englische oder das Chinesische in den Vordergrund zu stellen.

4. Mobiles Internet
China hat bekanntlich den Desktop mehr oder weniger übersprungen. Als Internet Device Nummer 1 dient das (meist übergroße) Smartphone. Manche Analysten gehen davon aus, dass bis Ende 2013 in China 500 Millionen davon in Betrieb sein werden. Responsive Webdesign, das sich an mobile Endgeräte entsprechend anpasst, ist also ein Muss in China.

5. Weißraum vs Farbenfroh und überladen
Obwohl internationale Firmen mit ihrem Marketing auch in China den Trend zu mehr Weißraum fördern, gilt für die meisten chinesischen Firmen weiterhin die unausgesprochene Design-Regel: Je bunter, greller und mehr, desto besser.

Als ich etwa unser neues Firmenschild drucken lassen wollte, erntete ich nur völliges Unverständnis, als ich der Druckfirma erklärte, dass der weiße Hintergrund kein Fehler sei. Grün! Blau! Gelb! Alles, aber bitte doch nicht weiß, wurde mir erklärt. Erst nach dreimaligem „Nein, das soll wirklich weiß sein!!“ wurde das Schild wirklich so gedruckt wie gedacht.
Gerade in der überladenen chinesischen Werbelandschaft ist Weißraum der Schlüssel zum Fokus auf die eigene Botschaft.

6. Zielgruppen
Wer Marketing in China machen möchte, muss vor allem einen zentralen Unterschied in der Zielgruppenanalyse verstehen: Stadt und Land sind zwei völlig verschiedene Welten. Von Werten und Bildung über Kaufkraft, bis hin zur Internetnutzung, bestehen gewaltige Unterschiede zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung.

7. Guanxi: Das chinesische Vitamin B
Beziehungen sind in China noch weit wichtiger als in anderen Ländern. Das wirkt sich auch auf die Kommunikationsarbeit aus. Nicht nur in der PR ist daher „Guanxi“ (Beziehung) zentrales Erfolgselement. Relationship Marketing, Mundpropaganda und Social Media Marketing bekommen so in China eine besondere Relevanz.

8. Social Media
Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass Facebook, Twitter und Co in China gesperrt sind. Dafür gibt es mit RenRen, Weibo, Youku etc. von fast allen Diensten eine chinesische Kopie. Social Media sind in China unglaublich populär, alleine die microbloggenden Chinesen zählen 273 Millionen. Auf die einzelnen Social Networks einzugehen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Nur so viel: Es lohnt sich, sich von jemandem, der chinesisch kann in das soziale Reich des chinesischen Internets einführen zu lassen.

9. Cha bu duo: Ungefähr
Wie in so vielen Bereichen des chinesischen Lebens, gilt auch im Marketing: Cha bu duo. Solange es halbwegs gut aussieht, passt es.

Du gehst mit fertiger PDF Datei zu einem der vielen Visitenkarten-Shops und denkst, die Visitenkarte wird dann auch so aussehen, wie geplant? Weit gefehlt! Statt einfach das PDF zu drucken, wird die Visitenkarte (ungefähr) nachgebaut. Hinweise auf die falsche Ausrichtung einiger Zeilen treffen nur auf Unverständnis. Diese übergenauen Ausländer!

10. Platt vs Kreativ
Die chinesischen Bürger haben sich zwar extrem schnell an die Konsumwelt gewöhnt, es scheint jedoch oft so, dass sie damit noch immer nicht wirklich umgehen können.

Daher funktioniert auch offenbar Werbung, die so platt wirkt wie in den USA vor 30 Jahren. Das bedeutet aber auch ein noch ungemein großes Potential für kreative und mutige Werbezugänge.

Resümee
Auf den ersten Blick läuft Marketing in China weitgehend genauso ab wie „bei uns daheim“. Auf den zweiten Blick zeigen sich jedoch höchst spannende Unterschiede.

Das wichtigste ist zu wissen, dass Chinesen einerseits von Westlichem fasziniert sind, zugleich aber auch sehr stolz sind auf ihre eigene Kultur. Hier gilt es als westliches Unternehmen sensibel zu sein und zugleich mit dem eigenen internationalen Image zu Punkten. Es geht darum, die eigenen (westlichen) Standards nicht völlig über Bord zu werfen und zugleich flexibel mit den Anforderungen umzugehen, die die chinesische Marketingwelt mit sich bringt.

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Chengdu in Bildern

Diese Galerie enthält 23 Fotos.

Es ist einmal an der Zeit, die Stadt in der wir leben etwas mehr vorzustellen. Hier ein Überblick über das, was wir seit ca. 6 Monaten täglich so zu sehen bekommen.

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Reise zum Ende der Chengdu Welt

Blick aus TaxiDiese Woche habe ich mit einem potentiellen Kunden leichtsinniger Weise ein Treffen bei einer Mittelschule am Rand von Chengdu vereinbart.

Dass es ein langer Trip werden würde, dachte ich mir schon. Daher hatte ich auch zuerst überlegt, einfach Mr. Bao zu buchen, einen Fahrer auf den unsere Firma regelmäßig zurück kommt.

Aber dann erwachte mein Abenteuergeist und meine männliche „ich finde meinen Weg schon“ Überzeugung. Also kam ich auf diesen Plan: Ich fahre mit dem Rad bis zur U-Bahn, mit der U-Bahn bis zur Endstation und von dort nehme ich dann ein Taxi, falls ich den Bus nicht finde.

Den richtigen Bus finde ich natürlich wirklich nicht, also nehme ich ein Taxi. Zuerst wirkt es so, als wenn mich der Taxler nicht dorthin mitnehmen will, vielleicht ist es ja zu weit, weil es außerhalb des eigentlichen Chengdu Stadtgebiets liegt. Dann aber verstehe ich, dass er mich doch mitnehmen will, für einen (ziemlich hohen) fixen Betrag natürlich. Aber die Zeit ist bereits knapp, also steige ich ein.

Wir kommen an und irgendwie steigt in mir schon ein komisches Gefühl auf. Die Gegend hat viel zu viele Hochhäuser. So hatte es, als ich das letzte Mal mit meinem Kontaktmann dorthin mitgefahren war, nicht ausgesehen.

Nicht, dass er mir einen falschen Namen gegeben hat, denke ich mir noch. Aber das kann ja nicht sein, er hatte immer genau von dieser Schule gesprochen. Und ganz grob kann ich mich an die Karte erinnern. Es war irgendwo am südlichen Rand von Chengdu, und da sind wir ja.

Das große Schultor, vor dem mich der Taxler aussetzt, sieht allerdings wirklich völlig anders aus als in meiner Erinnerung. Aber vielleicht sind wir ja nur beim Hintereingang.

Ich gehe über den Campus, aber da ist kein Gebäude das so aussieht, wie das, wo ich das letzte Mal war. Ich frage nach, zeige Passanten die SMS mit dem Namen der Schule, und mir wird bestätigt, dass ich hier richtig sei.

Es ist 16:55, ich wäre also genau pünktlich, wenn ich am richtigen Ort wäre. Um 17 Uhr wollten wir uns treffen.

Langsam verfestigt sich in mir allerdings die Befürchtung, zumindest am falschen Campus zu sein. In China haben viele Schulen mehrere Campi, vielleicht ist der andere ja einfach nur ein paar Häuserblöcke weiter.

Ich rufe meinen Kontaktmann an, er solle mir noch einmal den Namen der Schule per SMS senden, damit ich hier fragen kann. Die neue SMS beinhaltet völlig andere chinesische Zeichen als die erste. Und am iPhone in Google Maps eingegeben wird kein Ort gefunden.

Also zeige ich die SMS einem der Wachmänner, der mich an ein vor dem Tor stehendes Tuktuk verweist. Okay, denke ich mir, dann kann es also wohl wirklich nicht weit weg sein. Tukutuk Fahrer bringen einen nämlich üblicherweise nie sehr weit. Ich steige also ein und bin glücklich, dass ich wohl nur ein paar Minuten zu spät sein werde.

Aber weit gefehlt. Der Tuktukfahrer biegt um zwei Ecken und bleibt plötzlich vor einer Bushaltestelle stehen. Er deutet auf den Fahrplan und zeigt mir, ich sollte Bus Nummer 374 nehmen, bis zur Endstation. Das sind allerdings ungefähr 25 Stationen.

Ich bedanke mich freundlich, bezahle ihn und nehme mir ein Taxi. Mit dem Bus, das weiß ich mittlerweile, würde ich bei 25 Stationen wohl ca. 2 Stunden brauchen…

In diesem Moment ruft die Person an, die ich treffen möchte. Sie verspätet sich ein paar Minuten. Das trifft sich gut sage ich, ich mich nämlich auch.

Die Gelegenheit ergreifend bitte ich sie, dem Taxler zu erklären wohin er mich bringen muss. Was nun folgt, sollte mich mittlerweile eigentlich nicht mehr überraschen. Gefühlte 10 Minuten diskutieren die beiden, wohin die Reise denn gehen soll und was sie kostet. Er will mich wahrscheinlich nicht fahren.

Dann aber reicht er mir das Telefon durchs Gitter auf den Rücksitz zurück und mein potentieller Kunde erklärt mir, es sei ziemlich weit, der Taxler würde mich aber für 100 Yuan hin bringen.

Was für österreichische Taxiverhältnisse ein Pappenstiel ist (100 Yuan sind ca. 13 Euro), ist für China eine der teuersten Taxifahrten meines Lebens. Und auch eine der längsten. Inzwischen habe ich nämlich die richtige Schule doch auf Google Maps gefunden. Es sind rund 30 Kilometer.

Kurz vor 18 Uhr komme ich also endlich bei der richtigen Schule an. Wir haben ein gutes Meeting, essen noch zusammen in einer Nudelbude und dann geht es nach rund einer Stunde wieder in ein Taxi.

Wieder wenig überraschend ist mehr als kompliziert dem Taxler verständlich zu machen, dass ich zum Sichuan Gymnasium (ein bekanntes Stadion in der Stadt) möchte, wo ich mein Rad abgestellt habe. Ich deute auf Google Maps herum, zeige ihm den chinesischen Namen. Taxler in Chengdu scheinen allerdings mit Karten, selbst wenn sie auf chinesisch sind, auf Kriegsfuß zu stehen. Nach einigen Minuten Erklärung und Preisverhandlungen kann ich schlussendlich einsteigen und es geht zurück.

Als ich mein Rad sehe, bin ich mehr als erleichtert. Dass, als ich in unserem Wohnkomplex ankomme, der Lift wieder nicht funktioniert, kann mich im Moment auch nicht mehr aufregen. Ich bin einfach nur froh nach rund viereinhalb Stunden wieder zu Hause zu sein. Vielleicht frage ich doch das nächste Mal wieder Mr. Bao.

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Er ist da: Der erste ECHTE Apple Store in Chengdu

Apple Store ChengduLange musste die 14 Millionen Einwohner Metropole auf ihren ersten Apple Store warten. Nun hat Apple allen i-hungrigen Chinesen in Chengdu (und mir) ein Weihnachtsgeschenk gemacht: Der erste echte Apple Store in der Stadt, in der 80% der letzten iPads produziert wurden, hat letzte Woche eröffnet.

Warum die Betonung auf echt? Schon seit längerem ist ja bekannt, dass in China unzählige gefakte Apple Stores existieren. Alleine in Chengdu gibt es dutzende davon, wie ich seit Sommer selbst feststellen konnte. Einige sehen Apple Stores wirklich relativ ähnlich, bis hin zur Kleidung der Mitarbeiter. Andere sind unglaublich plump.

Um einen kleinen Eindruck davon zu geben, hier eine Auswahl als Fotogalerie:

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Cha bu duo. Flexibilität auf chinesisch

Chinesische Schüler in Reih und GliedMich haben ja einige vorgewarnt. „In China muss man echt flexibel sein!“ Dass das für mich als Westeuropäer mit norddeutschen Wurzeln, der Ordnung und Verlässlichkeit liebt, ein gutes Lerntraining sein würde, war mir klar.

Ungefähr. Die Chinesen haben ein wunderbares Wort: Cha bu duo – „Ungefähr“. Ungefähr ist in China nämlich ungefähr alles. Egal ob auf Zeit oder Raum bezogen. Man trifft sich um 14 Uhr. Ungefähr. Das Bild hängt gerade. Ungefähr.

Dabei ist es unglaublich bewundernswert, wie schnell manche Dinge erledigt werden. Das Schloss unserer Wohnungstür zum Beispiel war nach dem Einzug schneller ausgetauscht, als bei uns in Österreich wohl der Anruf beim Schlosser dauern würde.

Badminton. Ein besonders lustiges Erlebnis zum Thema zeitliche Flexibilität hatten wir gerade letzte Woche:

Wir haben eine chinesische Freundin namens Betty (junge Chinesen haben fast alle auch einen englischen Namen). Christiane hatte mit Betty ausgemacht, am Mittwoch Mittagessen zu gehen. Im letzten Moment sagt Betty ab. Das Gleiche am Donnerstag. Gut, also kein Mittagessen. Stattdessen machen sich die beiden aus, am Samstag am Uni Campus Badminton spielen zu gehen.

In der Früh ruft Betty an, dass sie vielleicht nicht kann und sich noch einmal später meldet. Zu Mittag ruft sie an, es geht um 14:30 Uhr. Um 14 Uhr ruft sie an, wo Christiane denn sei. Sie kann entweder gleich, oder doch gar nicht. Vielleicht kann sie aber doch warten, sie weiß es noch nicht.

Weil wir zu viert spielen wollten, hatten wir zuvor auch Levi, einen anderen chinesischen Freund gefragt, ob er Zeit hat. Er hatte selbst zwar keine Zeit, zwei seiner Freunde wollten aber mit uns spielen. Ich solle sie kurz bevor wir losgehen noch einmal anrufen.

Das tue ich, doch plötzlich ist nicht mehr klar, ob sie nun wirklich können. Dann geht es aber doch. Also gehen wir zum Uni Campus. Betty ist nicht mehr da. Nach kurzer Zeit kommen dafür drei der zwei Freunde von Levi…

Und dann steht auf einmal noch ein wildfremdes Mädchen vor uns und fragt, ob sie mit uns spielen kann. Sie selbst hat keinen Schläger. Wir könnten uns ja aber abwechseln, schlägt sie vor.

Auch ohne Badmintonnetz (denn die richtigen Plätze waren wie fast immer alle voll) haben wir einen riesigen Spaß. Das imaginäre Netz wird einfach „cha bu duo“ festgelegt, der Gewinner wird von dem bestimmt, der gerade am pausieren ist.

Disziplin. Wie diese Flexibilität mit der gewaltigen Disziplin zusammen passt, die Chinesen oft an den Tag legen, ist uns weiterhin ein Rätsel. Die bekannten Bilder von China, mit Schülern beim Morgensport in Reih und Glied oder aufgereihten Restaurantmitarbeitern am Gehsteig sind nämlich keine falschen Klischees, sondern sehen wir täglich.

Doch das ist eben der Reiz an China: Widersprüche existieren nebeneinander, ohne dass man sie je verstehen wird. Man muss lernen, flexibel mit der Flexibilität umzugehen. Einfach „cha bu duo“.

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Wozu Verkehrsregeln? Es gibt doch Hupen!

Mopeds und Räder auf KreuzungIch liebe den Verkehr in China. Und ich hasse den Verkehr in China. Je nachdem in welcher Stimmung ich bin und ob ich es gerade eilig habe oder nicht.
Hier 9 Prinzipien, um die tägliche Straßenschlacht zu überleben und vielleicht sogar Spaß daran zu haben:

1. Sei dir immer bewusst: Als Fußgänger bist du das schwächste Glied. Und hast damit genau gar keine Rechte. Werte es als Erfolgserlebnis, wenn du nicht angehupt wirst, während du bei grün über den Zebrastreifen gehst.

Fahrverbot mit Wache

Wenn ein Fahrverbot wirklich eingehalten werden soll, braucht es eine eigene “Wache”.

2. Rückspiegel sind nur Dekoration. Chinesische Fahrer sind nur für das verantwortlich, was sich in ihrem direkten Sichtfeld befindet. Alles, was sich mehr als 90 Grad seitlich befindet, ist das Problem des Hintermanns.

3. Die Hupe ist das wichtigste Teil am Fahrzeug. Sie ist in China kein Instrument um Ärger kundzutun, sondern sagt einfach nur „ich bin hinter dir“. Wer nicht hupt oder klingelt, existiert nicht. Gemessene Hupfrequenz auf Hauptstraßen daher: Unter 3 Sekunden.

Flyover in Chengdu

Blick aus unserem Gebäude. Rushhour – den ganzen Tag.

4. Bleibe keinesfalls stehen. Wer zuerst bremst hat verloren. Habe dabei keine Angst, solange du siehst, dass du gesehen wirst (dabei darf dein Gegenüber allerdings nicht merken, dass du ihn siehst…).

5. Rege dich niemals auf. Bleibe ruhig, egal ob ein Auto bei Rot über den Zebrastreifen fährt oder dich fast in den Straßengraben drängt. Erst wenn ein Unfall passiert ist, darfst du richtig laut schreien.

6. Vertraue nie auf den Vertrauensgrundsatz. Auch wenn vor deinem Fahrrad alles meterweise frei scheint, wende deinen Blick nie von der Straße ab. Nicht einmal für eine Sekunde.

7. U-Turns sind erlaubt. Überall.

Auto auf Fahrradweg

Räder und Mopeds dürfen sowieso überall fahren. Doch auch Autos nützen gerne Fahrradwege.

8. “Zuerst links schauen“ gilt hier nicht. Die gute alte Kinderregel für die Straßenüberquerung kann in China gefährlich werden. Räder, Mopeds und sogar Autos kommen aus jeder erdenklichen Richtung, auch auf deiner Straßenseite.

9.  Räder und Mopeds dürfen überall fahren. Auch auf dem Gehsteig. Wo du parken darfst ist allerdings eine andere Geschichte.

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China: Werbung zum Quadrat

Wie funktioniert Kommunikation, Marketing und Werbung in China? Das ist eine der für mich spannendsten Fragen hier.
Ein Blick in die Werbewelt der chinesischen Großstadt:

Überall
Wer denkt, dass wir im Westen einer Reizüberflutung ausgesetzt sind, dem werden hier erst recht die Augen herausfallen.

Die überall vorhandenen Flat-Screens in Bussen sind hier nicht einfach dezent und still, nein die Werbung läuft in voller Audio-Lautstärke. Sie wird nur von den noch lauteren Handy-Gesprächen der Chinesen übertönt.

Kilometerlange Screens im U-Bahn Schacht: “Mitfahrende” Werbung

Besonders beeindruckend sind die U-Bahn Werbungen: Mitfahrende Werbung durch kilometerlang aneinandergereihte Flatscreens.

Kommt man nach Hause und wartet im Stiegenhaus auf den Lift, wird man auch hier von Videoscreens bespaßt. In China wohnen eben so viele Menschen in einem einzigen Hochhaus, dass sich die Maßnahme wohl rechnet.

Auch im Lift geht es munter weiter. Nicht nur tonnenweise Plakate gibt es hier, sondern auch kleine an der Decke montierte Radios, die Tag aus Tag ein Werbung spielen. Nachdem wir im achten Stock wohnen, können wir die meisten Werbe-Telefonnummern nun schon auswendig auf chinesisch mitsprechen.

Im Lift geht die Werbung weiter. Mit Miniradio.

Schrill
Je schriller desto besser. Nachdem hier die Masse an Menschen ebenso wie die Masse an Werbung so gewaltig ist, versuchen Werber in China noch mehr als bei uns durch möglichst schrille und laute Werbung aufzufallen.

Sei es die Musik vor den kleinen Geschäften, wodurch man alle 3 Meter einem neuen Musikstil ausgesetzt ist, oder meine Lieblingsaktion: Chinesische Jungs und Mädels, die einfach vor dem Geschäft stehen und in die Hände klatschen. Die Effektivität davon lässt sich in Frage stellen…

Billig vs Hochglanz
Werbung von chinesischen Firmen wirkt einfach billig. Was ja wenig verwunderlich ist, soll sie ja die breite Masse ansprechen, die immer noch relativ geringe Einkommen hat.

Im Gegensatz dazu positionieren sich die internationalen Marken praktisch immer im Hochpreissegment, um die wachsende Reichenklientel anzusprechen. Ob eine Werbung von einer westlichen oder chinesischen Firma stammt, ist also auf den ersten Blick zu sehen.

Vor dem Lift in Wohnhochhäusern wird für Transformers geworben.

„Weiße“ Models
Nur ein Umstand könnte zur Verwirrung beitragen. Denn nicht nur internationale Konzerne setzen auf “weiße” Models. Auch chinesische Firmen nutzen unglaublich oft das westliche Schönheitsideal der Chines(inn)en und fördern es damit noch weiter.

Fazit
Wie in so vielen anderen Bereichen in China treffen auch in der Werbelandschaft enorme Gegensätze aufeinander.
Auf der einen Seite findet man modernste Werbetechniken (siehe U-Bahn), die uns in Europa ziemlich alt aussehen lassen. Auf der anderen Seite wirken manche Werbungen plump und billig, wie bei uns in den 80ern. Riesige Werbeflächen von Gucci und Co stehen kleinen Händlern gegenüber, die ihre Wahlnüsse mit an Tonbänder angeschlossenen Mini-Megaphonen anpreisen.

Und von der digitalen Welt habe ich noch gar nicht geschrieben.

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