iPhone 6 vs mein Sohn: Warum Relevanz relativ ist

IMG_0773Am 9. September 2014 war es soweit: Das neue iPhone 6  wurde vorgestellt. Monatelang hatten Apple-Fans darauf hingefiebert, wurden tausende Blogartikel geschrieben und Gerüchte verbreitet.

Zwei Tage später ereignete sich noch etwas: Mein Sohn wurde geboren. Monatelang hatten meine Frau und ich darauf hingefiebert. Aber es wurde kein einziger iPhonesArtikel geschrieben und, naja, es waren nicht unbedingt Millionen von Nerds, die sich dafür interessiert hätten.

Warum dieser Unterschied? Die Frage klingt zuerst einmal eigenartig. Aber wenn man genauer hinsieht, eignet sie sich ideal, um herauszuarbeiten was Relevanz ausmacht – und warum sie so relativ ist.

Wichtigkeit vs Relevanz
Rein objektiv betrachtet, wäre die Geburt eines Kindes definitiv wichtiger als der Release eines Tech-Gadgets. Kaum jemand wird bestreiten, dass ein menschliches Wesen unvergleichlich mehr Wert hat als jedes Gerät das jemals produziert werden könnte. Selbst das berühmte iPhone muss hier den Kürzeren ziehen.

Ohne viel zu überlegen könnte man schlussfolgern, dass das wichtigere Ereignis auch das relevantere wäre. Offensichtlich ist das aber nicht der Fall. Beziehungsweise ist es eine Frage der Perspektive.

Betroffenheit
Es dürfte klar sein, dass eine iPhone Ankündigung gegen die Geburt des eigenen Kindes komplett verblasst. Obwohl ich jedes Apple Event der letzten Jahre live im Web mitverfolge, war die diesjährige Ankündigung komplett, absolut und vollständig unbedeutend. Apple hätte neben iPhone 6 und Apple Watch noch drei bahnbrechende Innovationen ankündigen können, es wäre im Vergleich zur Geburt meines Sohnes auch nicht im geringsten bedeutungsvoll für mich gewesen. Warum? Weil ich von der Geburt meines Sohnes direkt betroffen war. Sehr direkt betroffen. In etwas abgeschwächter Form betraf es dann natürlich auch meine Eltern und Schwiegereltern, Geschwister, gute Freunde und Bekannte. Je stärker der Bezug zu uns ist, desto relevanter war die Geburt von Noah für sie.

Für die breite Masse natürlich war das andersherum. Auch wenn mein Sohn das tollste Kinde ist, das jemals geboren wurde, betrifft er sie wohl oder übel nicht im Geringsten. Dafür überlegen sich weltweit abertausende Menschen gerade, ob sie sich zu Weihnachten ein iPhone 6 wünschen sollen.

Nähe
Hand in Hand mit dem Faktor Betroffenheit geht der Faktor Nähe. Nähe erzeugt in vielen Fällen Betroffenheit. Das gleiche Ereignis, das hier und in Australien stattfindet wird eine unterschiedliche Relevanz haben – je nachdem auf welcher Seite des Erdballs ich mich befinde. Für Länder in denen das iPhone gar nicht verfügbar ist, hatte das Apple Event am 9. September überhaupt keine Bedeutung. Und für unsere  Nachbarn, die meine Frau monatelang mit dickem Bauch gesehen hatten, war die Geburt von Noah sicher bedeutungsvoller als für manch guten Freund, den wir aber seit Jahren nicht mehr gesehen haben weil wir inzwischen in verschiedenen Städten wohnen.

Seltenheit
Kinder werden jeden Tag tausende geboren. iPhones werden nur ein Mal pro Jahr vorgestellt. Obwohl also die Geburt eines Menschen ein weit größeres Wunder ist als die Herstellung eines Telefons, verliert ersteres inflationär an Bedeutung für die breite Masse. Für mich als der, der erstmals Vater wird, ist die Geburt meines Sohnes hingegen alles andere als inflationär.

Zeit
Inzwischen wurde schon die nächste iPad Generation vorgestellt. Das iPhone 6 ist also schon praktisch wieder alte News. Und damit weit nicht mehr so relevant wie noch zum Geburtstermin meines Sohnes. Die Glückwunschflut aus meinem Bekanntenkreis hat sich natürlich inzwischen ebenfalls etwas gelegt. Relevanz hat also in den meisten Fällen ein Ablaufdatum.

Relative Relevanz
Relevanz ist für Medien und Brands das um und auf. Nur relevanter Content zählt. Was nicht relevant ist wird nicht gelesen, gesehen, gehört. Journalisten wissen das seit langem und setzen die berühmten Nachrichtenfaktoren ein, um zu entscheiden über was berichtet wird und über was nicht. Was relevant ist, ist dabei relativ. Das ist keine neue Erkenntnis. Mein kleiner Sohn, der sich fast ein Apple Event als Geburtstermin ausgesucht hat, hat es aber besonders deutlich gemacht.

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